A Single Life


„And you should get it right, that’s what I’m saying, but go ahead and try“ – Ein komisch-makaberer und dennoch augenzwinkernd-lebensfreundlicher Film über die Unmöglichkeit von Zeitreisen, über Lebensgestaltung, Einmaligkeit und Einzigartigkeit jedes Lebens.

Pia sitzt auf ihrem Sessel und öffnet grossem Vergnügen den Pizza-Karton, nimmt ein Stück heraus und … – aber da klopft es an die Tür. Also Türe auf: Niemand da, nur ein kleines Päckchen. O, was mag das sein? Pia macht es sich wieder gemütlich auf dem Sessel und öffnet das Päckchen: Eine kleine Single-Schallplatte, der Song auf Seite A heisst „A Single Life“. Sie springt auf, legt die Single auf den Plattenspieler und senkt die Nadel irgendwo mitten in den Song. Ganz lustige Musik! Aber da macht Pia eine Entdeckung …

So eine Zeitreise in die Zukunft oder die Vergangenheit ist interessant, zum Schreien komisch oder auch ein wenig anstrengend. Aber dann geht alles sehr rasch und das Ende ist nicht mehr aufzuhalten.

Der lustige und etwas makabere Film eignet sich schon zur Bearbeitung mit Kindern ab ca. 8 Jahren. Aber auch Ältere können den Film zum Anlass nehmen, um über Zeitreisen in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu phantasieren, um über Schönes und Unschönes im Leben nachzusinnen, oder über Lebenszeit, Einmaligkeit und Endlichkeit nachzudenken.

Für den Unterricht bietet sich die Bearbeitung des Films mit Schallplatten, insbesondere Singles an. Im Idealfall geschieht dies mit der Single der Filmmusik: Happy Camper feat. Pien Feith, A Single Life(Update 10. August 2017: Die Single ist heute mit der Post bei mir angekommen, aber ich habe sie vorsichtshalber noch nicht gehört. Wer sich traut, kann die Single für Unterrichtszwecke bei mir ausleihen – im Umkreis von Bern und ich möchte zuschauen.)

Trotz des aktuellen Revivals der Schallplatte werden einige Kinder das Medium eventuell gar nicht kennen. Daher mag es sinnvoll sein, bereits vor der Visionierung des Films eine Single mit einem Plattenspieler abzuspielen und einige Tücken und Tricks zu demonstrieren: Die Nadel mitten im Stück aufsetzen oder den Plattenteller anhalten, mit der Hand die Geschwindigkeit variieren oder sogar die Platte rückwärts drehen, auf den Boden stampfen und die Nadel springen lassen etc.

Nach der Visionierung und der ersten Verarbeitung in Murmelgruppen sollte zunächst sichergestellt werden, dass alle Zuschauerinnen und Zuschauer verstehen, was die üblichen Erfahrungen mit Schallplatten sind, um dann über die Besonderheit der im Film gezeigten Single austauschen zu können. Wie bei allen Filmen lohnt sich auch hier ein sorgfältiger Durchgang durch die Filmhandlung: Pizza essen, Mutter werden, Kind sein, Alt sein, sterben.

Ausgehend von der zentralen Filmidee, dass Pias Leben gewissermassen auf einer Single abgebildet ist, lässt sich dann spannend über Zeitreisen phantasieren: Wie wäre es, wenn ich – auf meiner Single – noch einmal zurückspringen könnte in meine Kindheit oder vorwärts in mein Erwachsenenalter oder in mein hohes Alter? Welche zurückliegenden Lebenserfahrungen würde ich gern noch einmal „abspielen“, welche aktuellen oder künftigen Erfahrungen würde ich lieber „überspringen“?
Und: Ist es eigentlich bedauerlich oder gut, dass es im Leben tatsächlich kein „Zurückspringen“ und kein „Überspringen“ gibt, dass das Leben einzigartig und nur in eine Richtung gelebt werden kann?
Oder gibt es das doch? Leben mit einem Sprung in der Platte: Immer wieder dasselbe? Übersprungene Lebenserfahrungen: Erhofft und ersehnt, aber schmerzhaft ungelebt?
Und was wäre eigentlich auf der B-Seite meiner Single?

Auch die Filmmusik lohnt eine nähere Untersuchung. Eine vollständige Version des Songs findet sich im YouTube-Account von Excelsior Recordings:

Der Songtext stammt ebenfalls von den drei Filmemachern Job, Joris & Marieke und bietet einige Entdeckungen zusätzlich zum Film. (Ich finde den Text moralischer als den Film.) Der Appell des Textes „you should get it right“ etc. könnte durchaus auch im Unterricht bedacht und bearbeitet werden: Wie will ich leben Angesichts dessen, dass ich mein Leben nur einmal leben kann, dass mein Leben endlich und zerbrechlich ist?
Und wenn das zu schwer und zu hart wird, hilft neben dem immer augenzwinkernden Film auch die eher spielerische Wendung „but go ahead and try“.

Der Text ist auch mit wenigen Englisch-Kenntnissen gut verständlich, daher hier die englische Originalversion:

You might think your time
Is never ending
But a single life
Is what you’re getting
And you should get it right
That’s what I’m saying
But go ahead and try

Just a single life
You know there won’t be
A second time

Slow down, take it slow
Before you gotta go
Beware, if you blow it
You know you gotta go

Time and again you’re trying to stall
But the ending is inevitable

Slow down, take it slow
Before you gotta go
Beware, if you blow it
You know you gotta go

Just a single life
You know there won’t be
A second time

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