Gebt uns ruhig die Schuld – Die Fantastischen Vier


„Schieb dir die Schuld in die Schuhe oder schüttel sie ab!“ – Witzig, unterhaltsam, ironisch, diffus, hintersinnig: Was sie sagen wollen, wissen sie möglicherweise selbst nicht so genau, aber das macht nichts, denn mit den Themen Schuld und Verantwortung sowie den Bildern einer wilden Konsumparty gibt es genug Anknüpfungspunkte für den Unterricht.

Der Songtext ist recht gut verständlich und ansonsten auch leicht im Internet auffindbar. Die filmische Umsetzung zum Musikvideo ist äusserst gelungen. Der Text aus dem Jahr 2010 wird kombiniert mit der Bilderwelt einer wilden 60ies-Party, die noch die naiv-unschuldige Luft von Zukunftseuphorie, Fortschrittsglauben und aufkommender Konsumgesellschaft atmet, wo Ideen wie Umweltschutz oder Nachhaltigkeit schlicht noch nicht existierten. Das gibt dem Video eine zynische Note, die genau dieselbe Ambivalenz zwischen (falscher oder echter) Betroffenheit und egoistischer Spassgesellschaft ausstrahlt wie der Songtext.

Im Unterricht wäre zunächst Text- und Bildebene des Musikvideos zu analysieren. Dabei wäre der zeitgeschichtlich-zeitgeistige Hintergrund der Bildebene zu erarbeiten und andererseits die zahlreichen Sprichwörter, Wortwendungen und Wortspiele der Textebene zu untersuchen.

Im Zentrum des Musikvideos steht das Thema Schuld, das im modernen Sprachgebrauch eigentlich nur noch eine strafrechtliche Vorwerfbarkeit oder eine finanzielle Zahlungspflicht beschreibt und dabei jegliche ethische oder auch religiöse Komponente verloren hat. Hier wären die verschiedenen semantischen Kategorien von Schuld zu unterscheiden, eventuell detailliert zu erarbeiten und den ihnen je angemessenen Sachverhalten zuzuordnen. Vielleicht könnte auch die Verantwortung als das Gegenstück der ethisch oder religiös begründeten Schuld in den Blick geraten.

Schliesslich wäre die Spannung und Ambivalenz des Songs zu entdecken, die – noch immer gültig – die Schizophrenie unserer Gesellschaft abbildet: Das Wissen um die Tatsache, dass z.B. die global bedrohliche Klimaveränderung ihre Ursachen in der menschlichen Zivilisation, Industrie und Lebensweise hat, beschleunigt weder internationale Abkommen noch nationale Massnahmen zum Klimaschutz, geschweige denn eine wirksame Verhaltensänderung in einem nennenswerten Teil der Bevölkerung. Gibt es ohne Schuld als ethische Kategorie auch keine Verantwortung?

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