Head over Heels


„Hals über Kopf“ oder „Kopf über Hals“? – In einer Partnerschaft zwischen zwei Menschen können oben und unten und richtig und falsch bisweilen einigermassen durcheinander geraten, so dass die Frage nach dem festen Boden nicht mehr leicht zu beantworten ist.

Kurz vor dem Weckerklingeln erwacht ein älterer Mann, er horcht und setzt seine Brille auf. Im anderen Bett liegt seine Frau, trotz des Klingeln des Weckers neben ihr schläft sie seelenruhig. Er schlägt mit seiner Faust an die Wand und irgendwo fällt der Wecker zu Boden. Wortlos beginnt eine lange eingespielte, lieblose Tagesroutine. Eine unterschwellige Aggression drückt sich aus, als die Frau einen Schraubenschlüssel in ihrem Schuhregal entdeckt und ihn genervt zu ihrem Mann hinüberwirft. Der zuckt zusammen und wirft einen erbosten Blick zurück, hinauf zu seiner Frau. Erst jetzt erkennen die Zuschauerinnen und Zuschauer die Lage: Hals über Kopf, wenn auch nicht gerade verliebt. In dieser Partnerschaft ist einer der beiden an die Decke gegangen und hat sich dort ganz gut eingerichtet, aber wo ist die Decke oder wo ist der Boden?

Der Film thematisiert Beziehungen zwischen zwei Menschen und die Frage, wieviel Eigenständigkeit und Distanz solche Partnerschaften einerseits brauchen und andererseits vertragen. Der eigene lebensgeschichtliche Zugang zu diesen Themen ist wahrscheinlich bestenfalls in der Sekundarstufe vorhanden. In der Primarstufe könnte der Film dabei helfen, eine Distanzierung, Trennung oder Scheidung der Eltern zu verstehen und zu verarbeiten. Der Bezug auf die eigene Lebenssituation ist also je nach Alter der Schülerinnen und Schüler einigermassen verschieden. Ich konzentriere mich daher hier auf einige Fragen zum Film.

Wo ist im Film oben und wo ist unten? Wo ist der Boden dieser Beziehung? Wer hat recht, wer liegt falsch? Was bedeutet das frei im Raum schwebende und um sich kreisende Haus? Warum stürzt das Haus in der Mitte des Films ab? Warum kommt es so zu liegen und nicht anders?

Wie kommunizieren die beiden Partner miteinander? Wodurch entstehen Aggression, Streit und Tätlichkeiten? Wie entsteht so etwas wie Versöhnung?

Welche Funktion hat das Bild, das von beiden Hauptfiguren immer wieder sorgfältig neu ausgerichtet wird und das schliesslich zu Boden fällt und zerbricht? Welche Rolle spielen die rosaroten Schuhe?

Was bedeutet innerhalb des Films das „Innen“ des Hauses und das „Aussen“, d. h. die Welt? Welche Perspektive auf Partnerschaft gibt der Abspann, in dem Frau und Mann „Hals über Kopf“ in die Abenddämmerung hinausspazieren?

Zur Bearbeitung der zentralen Frage des Films ist es so amüsant wie instruktiv, den „anderen“ Film mit dem knappen Einführungskommentar von Timothy Reckart zu betrachten: „Heels over Head“:

Angesichts des beiden Filme ist – vielleicht eher am Rande – die Entwicklung des englischen Ausdrucks „Heels over Head/Head over Heels“ interessant:

en.wiktionary.org/wiki/head_over_heels

Auf der offiziellen Website zum Film gibt es neben dem Trailer noch eine Filmversion mit dem Kommentar des Filmemachers:

www.headoverheels.tv

Die vom Katholischen Filmwerk produzierte DVD „Head over Heels – Hals über Kopf“ mit nichtgewerblich-öffentlichem Vorführrecht (Ö-Recht) enthält neben dem Film die auch online zugängliche Arbeitshilfe von Matthias Wörther.

(via denkfabrikblog.de)


Bibliothekarische Bestellung der DVD

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