Länge: 03–07'


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„Bibibibiip, bibibibiip, bibibibiip, bibibibiip …“ – Der Film lädt dazu ein, das Bacchische hinter der bisweilen nervtötenden Routine des Alltags zu erforschen und dabei den eigenen Träumen und Sehnsüchten nach festlichem Rausch und körperlicher Erfüllung nachzugehen: Eine lebensfreundliche Ermunterung zum selbstvergessenen Festen als Ressource zum Menschsein. Ein farbenprächtiger Traum vom grossen Orchester aus Lust und Leidenschaft wird jäh unterbrochen vom nervtötenden Wecker-Gepiepse. Das verzückte Lächeln im Gesicht der träumenden jungen Frau auf dem Kopfkissen weicht einer missmutigen Miene: Alltag, Augen auf, aufstehen, Alex! Nun alles in gedeckten Tönen, sehr kultiviert und stylisch, von morgens bis abends: […]

Bacchus


„Une équation qui ne tourne pas rond“ – Das Musikvideo ermöglicht einen guten Zugang zur unterrichtlichen Auseinandersetzung mit dem vermeintlich schweizerischen Premium-Produkt Schokolade und den Produktionsbedingungen und Handelsbeziehungen des Schokoladen-Rohstoffs Kakao. Wie von Geisterhand spielt das Klavier – weisse Tasten und schwarze Tasten ganz aus Schokolade. Das ist lustig und irgendwie auch ekelig. Ebenfalls der einsetzende Kontrabass ist aus Schokolade, dahingestreckt am Boden. Alles aus Schokolade, sonst nur grauer Karton. Vers eins, ein schokoladenverschmiertes Gesicht rappt französisch durch das Loch in der Kartonwand. Kein Gangsta-Rap, keine Umgangssprache, sondern sorgfältig formulierte Sprache, gestaltete Verse, geistreich, hintersinnig und […]

Petit Carré – Jonas



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„… da war es nur noch eins!“ (wie im unsäglich-unsingbaren Kinderlied) – Mit einem Mix aus Animation und Realfilm konfrontiert Fabio Friedli abstrakte Vorstellungen von Flucht und Asyl mit der Wirklichkeit von flüchtenden Menschen: Ein Plädoyer für Humanität. Animation: Kugelschreiber auf Zeichenpapier, wie eine Karikatur hingekritzelt, stark reduziert und etwas salopp. Durch die Wüste fährt ein Lastwagen, darauf Gepäck und zahllose Strichmännchen, absurd getürmt bis an den Himmel. Es ist geradezu unterhaltsam, wie die Figuren durch verschiedene Umstände und Ereignisse nach und nach dezimiert werden, amüsant, wie sie in der Achterbahn schreien, sich an der Sonne versengen […]

Bon Voyage


#metoo – Mit einer grossartig besetzten Hauptfigur und seiner wirkungsvoll bedrängenden Kameraführung zeichnet der Film ein bedrückendes Bild von der subtilen Alltäglichkeit und Allgegenwart sexueller Belästigung, ja Gewalt gegen Frauen. Es beginnt mit dem Ton, wir sind unter Wasser, ein Hallenbad. Jemand springt hinein; eine Frau, schwarzer Badeanzug, rote Kappe, Schwimmbrille. Die Kamera und damit auch wir als Zuschauerinnen und Zuschauer kommen ihr bedrängend nah, viel zu nah, fast körperlich. Schonungslos tastet die Kamera den Körper der Frau ab, wie sie sich durch das Wasser bewegt: Hände, Schultern, Achseln, Gesicht, Brüste, Po, Beine, Füsse. – Dann unter […]

Laps



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„Die Metaphysik ist eine Art Poesie, die Andacht ist ihre Ode.“ (Joseph Joubert) – Ein sehr poetischer Film vom Fuchs im Nebelwald als Ode an die Metaphysik Ein Fuchs sitzt an einem nebligen Waldsee. Da nähert sich eine Ente, tritt an das andere Ufer und lässt Steinchen über das Wasser hüpfen. Sie entdeckt den Fuchs; die beiden starren sich wortlos an. Ein Gewitter zieht auf, Regentropfen fallen auf den Fuchs herab. Die Ente ist fort. Der Fuchs steht auf, nimmt ein Steinchen und wirft es. Doch es hüpft kein einziges Mal, sondern verschwindet im See. – […]

Brume, cailloux et métaphysique


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„Biester sind sehr biestig untereinander: Da muss man sie beruhigen und ihnen zeigen, dass alles in Ordnung ist, … obwohl das gar nicht stimmt.“ – Die Trennung oder Scheidung nimmt der kleine Junge vor allem als Charakterveränderung seiner Eltern wahr; eine Verbiesterung, die – zum Glück! – wieder vorbeigeht. Der Film nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Marcus Sauermann und Uwe Heidschötter zeigt Trennung oder Scheidung der Eltern radikal aus der Perspektive eines kleinen Jungen. Und da ist eigentlich die Verbiesterung der Mutter (und des Vaters) das wesentlich grössere Problem als die Trennung oder Scheidung der Eltern: „Wenn Deine Mutter […]

Der Kleine und das Biest



„Forming, storming, norming, performing“ (Tuckman) – Der äussert bewegte Animationsfilm führt spielerisch, mitreissend und höchst amüsant die typischen Prozesse und Phasen einer Gruppe vor. Dabei ist die Sympathie zwischen der bunten Kuh und der quietschenden Maus äusserst ansteckend, für alle Altersgruppen! Zwei rosarote Plüsch-Schafe hängend dämmernd in einem Mobile, nebenan ein verdriesslicher blauer Hund mit Schiebermütze, auf der anderen Seite drei orange-gelbe Hühner, das mittlere arg plattgedrückt, wiederum gegenüber ein schläfriges dickes, grünes Schwein – und ganz zuoberst eine kleine, kleine Maus, die bewegt an ihrem Schnürchen baumelt. Gut ausbalanciert und einigermassen unbewegt. Aha, diese Gruppe ist nur […]

Mobile


„Ha ha ha ha ha!“ – Wenn die Gans mit Schwimmring über den Wolf im Tutu lacht: Eine schöne Geschichte über das Ausgelacht-Werden und das gemeinsame Lachen, von Mobbing-Erfahrungen und gegenseitiger Akzeptanz. Der Wolf stapft nachts durch den Wald: keuchend, ja knurrend, mit grimmiger Miene und gewaltigem Schritt, die Arme vor lauter Kraft angewinkelt. Als ihm eine gackernde Gans entgegenkommt, lässt er ein furchtbares Gebrüll vernehmen, zeigt seine spitzen Zähne und die Gans nimmt Hals über Kopf Reissaus. Zielstrebig geht er weiter, bleibt unvermittelt stehen und schaut sich verstohlen um. Plötzlich lächelt er, alle Anspannung fällt von […]

Wolf



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„impasse [ɛ̃’pa:s] f – Sackgasse f; Abstellgleis n; fig. Klemme f.“ – Mit den Qualitäten eines Stummfilms lotet dieser Kurzfilm das Spannungsfeld von Liebe und Rassismus aus. Die Begegnung zwischen zwei Menschen beginnt verheissungsvoll und endet doch rätselhaft in einer Sackgasse. Erst am Ende wird deutlich, welche Klemme auf das Abstellgleis geführt hat. Ein junger Mann sitzt in der U-Bahn und schaut aus dem Fenster, sein Blick ist eher gegen innen gewandt. Jemand legt sein Gepäck auf den freien Platz gegenüber. Eine Frau, etwa gleichaltrig, dunkelhäutig, in einem glänzenden blauen Oberteil, das ihre weibliche Figur betont. Der Mann schaut interessiert, offenbar bemüht, nicht […]

Impasse


„Kikerikiii!!!“ – Der so ansprechende wie amüsante Kurz-Film-noir-auf-dem-Bauernhof spielt die Idee mal durch, dass die Henne ihr Ei nicht herausrücken will. Mit Spannung, Tempo, Action und zahlreichen Zitaten aus der Filmgeschichte macht der Film grossen Spass und könnte schliesslich noch anregen zum Nachdenken über das Verhältnis von Mensch und Tier. Bereits der Vorspann signalisiert den augenzwinkernden Kulturschock: In das entspannte Vogelgezwitscher fährt jäh ein jazziges Startsignal. Der in Retro-Schrift präsentierte Film-Titel spannt Bezüge zu amerikanischen Hardboiled-Krimis. Auch der harte Bildkontrast und das nur durch Sepia-Töne erweiterte schwarz-weiss-Bild nehmen klassische Gestaltungselemente des Film noir auf. Doch zunächst klettert der Hahn auf den Mist, […]

Hard Boiled Chicken



„MANTRA chronicles the dangerous obstacles refugees FACE on their journeys to reach safer harbors.“ – Das so irritierende wie aufwühlende Musikvideo verknüpft den kraftvollen Track von Noisia mit ziemlich realistischen Bildern von Flucht, Migration und der europäischen Asylpraxis. Ein nicht vollendeter und unfertig heruntergekommener Neubau: In der kreisrunden Auffahrt zum Parkhaus liegt ein verdreckter und verknitterter Union Jack. Der Wind erfasst und trägt ihn mit sich in die Höhe. Im Innern des Gebäudes überall Bauschutt, aufgerissene Wände, herunterhängende Kabel und: kauernde Menschen, versteckt, wartend, lauernd – auch die Musik. Gemeinsam mit der sich langsam und machtvoll entwickelnden Dynamik des Noisia-Tracks kommen […]

Mantra – Noisia


„Donkey! Esel!“ – Die filmische Fabel wirft den Blick auf Lebensumstände, in denen Menschen wie Esel behandelt werden und fragt danach, wie den Eseleien von Ausbeutung und Überforderung zu entkommen wäre, um wieder Mensch zu werden. Die Kamera schweift an der Seepromenade entlang, Kindergeschrei im Hintergrund, ein mürrisch dreinblickender Mann mit einem Schild: Donkey Rides – Eselreiten. Daneben ein Esel, aufrecht auf zwei Beinen, in Kleidern, rauchend und sehr schlecht gelaunt. Er zuckt zusammen, als der scharfe Ruf des Mannes ertönt: Donkey! Ein kleiner Junge steht da mit seiner Mutter und will Esel reiten. Donkey verzieht das Gesicht, […]

Donkey



Tief durchatmen zur Erlösung, und loslassen. – Für Freunde der verbreiteten Vorstellung, das Himmelreich sei schon auf Erden zu haben, ganz nach individuellen Wünschen möblierbar und eigentlich nur eine Frage des persönlichen Engagements, ist dieser schöne Film eine ziemliche Horrorvision. Stellen wir uns vor, unsere Existenz bestehe aus einer Serie bedeutungsloser Abläufe: Schlaf, Essen, Arbeit, Essen, Fernsehen, Schlaf, Essen, Arbeit, Essen, Fernsehen, Schlaf … Auch Nahrung, Kleidung, Häuser, Autos, Flugzeuge, ja sogar Menschen, Arbeit und Kunst existierten ausschliesslich in Serie. Mehr noch: Das Leben selbst sei ein einziges again, noch einmal. – Dieser Film erkundet, wie es wäre, wenn: Die Hauptfigur macht die zentrale Erkenntnis über ihre Existenz im Videospiel, […]

Again


„Bist du zwar grünes Schaf, aber mit die Stolz von die Papa! Und das ist ganze Miete schon halb.“ – Tatsächlich scheint Marcel neben dem flauschigen Fell seiner Mutter und der grünen Farbe seines Vaters auch das allerwichtigste aus seiner Patchwork-Familie mitbekommen zu haben: Ein gesundes Selbstvertrauen für das Leben in einer multikulturellen Welt. In diesem amüsanten Animationsfilm werden wir Zeugen der Dreharbeiten einer Kurzdokumentation über die Patchwork-Familie El Sapo. Zunächst stellt sich der Vater vor: Juan El Sapo, ein „echter Latino-Frosch aus Puerto Rico“, aus erster Ehe bringt er seine beiden Söhnen Pablo und Pietro mit. Dann ergreift die […]

Das grüne Schaf



„Mama, wir sind draussen!“ – Im zunächst äusserst abschätzigen Umgang des Jungen mit dem kleinen Hund und dessen Behinderung spiegelt sich nur seine Selbsteinschätzung als behindert, minderwertig und unvollkommen. Doch wenn das eigene Spiegelbild so ungehindert lebenslustig herumtollt, dann ist das ansteckend, glücklicherweise! Bereits im Vorspann konfrontiert der Film mit einer sehr kriegerischen Tonspur, erst mit dem zweiten Bild wird klar, wo der Film verortet ist: Die Hauptfigur des Films, ein etwa zwölfjähriger Junge, sitzt mit einer Spielkonsole auf dem Sofa vor dem Fernseher. Die heruntergelassenen Storen lassen fast kein Sonnenlicht hinein, der Junge hängt mit seinen Augen […]

The Present


Die perfekte Vater-Maschine verbindet Fürsorge und Verlässlichkeit mit kindlichem Spieltrieb und kulinarischem Rundum-Verwöhn-Programm: Besser als es jeder fleischliche Vater könnte! Ein Erfinder schraubt in der Werkstatt an seinem neusten Projekt herum und ist glücklich in die Arbeit vertieft. Als er nach dem Schraubenschlüssel greift, hängt da ganz unerwartet ein Kind dran: Seine Tochter! Die beiden Welten des Erfindens von wundersamen Maschinen und der Erziehung seiner (geliebten!) Tochter sind gar nicht so leicht miteinander in Einklang zu bringen. Vater und Tochter bemühen sich auf je eigene Weise um ihr Gegenüber, aber ebenso wenig, wie sich dem Töchterchen […]

Papa



„Erst als ausländische Staaten intervenierten, die Schweiz um ihre Handelsbeziehungen fürchtete und sich liberale Kantone für die Emanzipation einsetzten, änderte sich die Situation: 1866 wurden die Juden durch eine Volksabstimmung endlich gleichgestellt.“ – 150 Sekunden über 150 Jahre Gleichberechtigung der Juden in der Schweiz. Der dokumentarische Animationsfilm zeichnet die Geschichte der Juden in der Schweiz von der Spätantike bis heute nach: Römerzeit, Mittelalter und Pest, Diskriminierung, Vernichtung und Vertreibung, ab Ende des 18. Jahrhunderts Ghettoisierung in den Judendörfern Lengnau und Endingen, Bundesverfassung 1848, Gleichstellung 1866, Schächtverbot 1893, Aufblühen der jüdischen Gemeinden um die Jahrhundertwende und Zionistenkongress […]

Schweizer Juden: 150 Jahre Gleichberechtigung


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„Nein, er lebt da unten.“ – Das kleine Mädchen hat eigentlich gar nicht um Belehrung gebeten, aber die gibt es mancherorts trotzdem – hoffentlich nicht im Unterricht. Der Film regt an zum Austausch über Strategien zur Bewältigung von Sterben, Tod und Trauer – und nebenbei auch zur Befragung des eigenen Unterrichtsanlage. Ein Mädchen spielt Fussball, auf dem Friedhof: Es kickt den Ball gegen einen Grabstein und ist ganz versunken in sein Spiel. Kopfschüttelnd tritt ein Mann dazu und fragt: Was denkst du, was du da machst? Für das Mädchen ist das eine offensichtlich dumme Frage, aber es […]

Under There



„Ich meine – ich bin doch die Beute! Ich profitiere nicht von dem System.“ – In der bitterbösen Satire über die Darstellung von Politik in den Medien diskutieren zwei Löwen, ein Aasgeier und ein einsames Zebra unter der Moderation einer Hyäne über Gerechtigkeit in einer Gesellschaft des Fressens und Gefressen-Werdens. Bereits im Vorspann werden die Konventionen des Medien-Formats Talk-Show wunderbar zitiert: Ein auftrumpfender Musikteppich begleitet den Rundschwenk durch das Studio. Ein doku-mässiger Kurzspot verkauft umunstössliche Wahrheiten und ein donnernder Akkord mündet in aufbrausenden Applaus. Die angeblich „bewegende Frage“ der Show ist im Vorspann längst beantwortet und zu Beginn darf der […]

Wer trägt die Kosten?


„Wovon singen Maschinen?“ – Die hier filmisch dokumentierte Installation ist eigentümlich berührend und zutiefst erschütternd. Sie wirft zunächst ein betrübliches Bild auf die menschliche Vorliebe für schwülstige Balladen und ihre mediale Inszenierung. Vor allem stellt sie einigermassen schmerzhafte Fragen nach Wirklichkeit, Echtheit, Wahrheit und danach, was den Mensch zum Mensch macht. Der Raum weiss-grau im Kunstmuseums-Style: zwei sachlich-schwarze Metallständer, die einen ebenfalls schwarzen Computer-Monitor tragen – auf der Höhe eines menschlichen Kopfs. Davor sorgfältig ausgerichtet ein Mikrophon-Ständer mit Mikrophon, schwarz. Diese Maschine singt: Auf schwarzem Grund schreibt sie mit einer weissen Retro-Computerschrift den Songtext auf den Screen. Und […]

What do machines sing of?



„Without a thought there exists nothing.“ – Die Bedrohlichkeit der nicht enden wollenden Flut der Gedanken wird in diesem Film eindrucksvoll in Szene gesetzt. Doch Leben ohne Denken gibt es nicht und ohne Gedanken existiert nichts. Und überraschend bietet die Kehrseite des vollgeschriebenen Blattes eine Entdeckung: das unbeschriebene Blatt. Die Rolläden öffnen sich, der Wecker klingelt blinkend und die Hauptperson wacht auf: An Stelle eines Kopfs hat sie eine Schreibmaschine. Mit der S-Bahn geht es ins Büro, dabei wird deutlich, dass in der Welt von Typewriterhead alle Menschen Schreibmaschinenköpfe sind. Gedanken äussern sich darin, dass die Schreibmaschine […]

Typewriterhead


„Sag, dass du mich niemals je fangen wirst!“ – Ein befreiend lebendiges Musikvideo zu einem schweren und abgründigen Rap-Text über das Sterben, den Tod und das Leben. Durch die Sonnenstoren und den Vorhang fällt nur wenig des gleissenden Sonnenlichts von draussen auf den geschlossenen Sarg, der verlassen in der Aufbahrungshalle steht. Die Kamera schweift weiter durch einen ebenso leeren Versammlungsraum, fährt hinein in die grosse Kirche und folgt einer schwarz gekleideten Frau bis in die Kirchenbank. Eine Trauerfeier: Plüschtiere, weisse Blumensträusse, der Pfarrer predigt. Auf einem Tisch brennen weisse Kerzen neben zahlreichen Fotografien von zwei vielleicht zwölfjährigen […]

Never Catch Me – Flying Lotus



„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ (Aristoteles) – Die Kuh verliert über Nacht ihre Flecken und macht sich auf die Suche. Der sehr harmlos wirkende Film über verschwundene Kuhflecken ermöglicht einen Einstieg in die Fragen nach Ganzheit und Identität, oder auch Freundschaft. Die Kuh ist müde und steht schwer in ihrem Stall: Muh! Vor dem Schlafen leckt sie sich über das Fell und kitzelt damit die beiden weissen Flecken, die vor Kichern kaum stillhalten können. Die Kuh zieht die Decke über sich und träumt davon, im Himmel schwerelos von Wolke zu Wolke zu […]

Cow


„Cool ist für mich so etwas wie einzigartig zu sein, jemand zu sein, der man sein will, und so, wie man sich selbst sieht, denke ich“ – Im Vorspann gibt es bereits eine sehr differenzierte und identitätsbewusste Sicht auf das jugendliche Leitbild „Cool-Sein“. Der Song und das Musikvideos nähern sich der Angelegenheit aus der Sicht von Jugendlichen auf eher fragende Weise an: grandios! Das Video nimmt den Songtext sehr prägnant filmisch auf und garniert das Ganze mit ergänzenden Social-Media-Hashtags, die sich vorzüglich zur Entschlüsselung der Dramaturgie des Gesamtwerks eignen. Im Zentrum steht die Erfahrung des Andersseins […]

Cool Kids – Echosmith



„Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, Anfang und Ende.“ (Offenbarung 22,3) – Der biblische Text wird in diesem Film mal etwas anders interpretiert als üblich und lässt dabei biblische Vorstellungen hinter sich. Ein Mann fällt vom Himmel, nackt, in eine leere Welt. Er schaut sich um im Nichts, scheint in der Ferne etwas zu entdecken und schreitet entschieden voran. Mit jedem seiner Schritte spriesst das Gras am Wegesrand aus dem Leere. Zügig voranschreitend findet er nach und nach Kleider, Aktentasche, Auto, Einfamilienhaus, Familie, Hund und seinen Arbeitsplatz. Am Wegesrand spriessen nun […]

Ego Sum Alpha Et Omega


„Määäh!“ – „Moooh, Wauwauwau, Kikerikiii!“: Wenn die lieben Kleinen sich ein bisschen schräg benehmen, kommen die Alten in Stress. Aber gerade das macht ja irgendwie auch den Reiz aus, jedenfalls aus Kindersicht. Ein Film zum Thema Eltern-Kind-Beziehung. Papa Schaf und Mama Schaf stehen um das Lamm herum und „määähen“ es freundlich auffordernd an. Das Lamm schaut eher besorgt drein. Als es schliesslich ein mutiges und deutlich vernehmbares „Moooh“ vernehmen lässt, springen die Eltern entsetzt zur Seite. Mit dem Kopfschütteln der Alten endet die erste Szene. Szene zwei und drei gehen mit Gras-Fressen und Schaf-Schur ähnlich enttäuschend für die […]

Lambs



„… ich bin verliebt und hab‘ keinen Plan, ob es dich gibt“ – Ein Musikvideo vom „Date Duell“ zum Liebeslied an die unbekannte Zukünftige: Eine Anregung zum Träumen, Phantasieren und Spinnen. Das Musikvideo zum Liebeslied: Der Text allein ist bereits voller anregender Ideen und das Video begnügt sich nicht damit, ein paar illustrierende Bilder zu liefen, sondern erzählt dazu eine ganz eigene Geschichte, die das gleiche Thema ganz anders aufgleist und den Text dennoch trifft. Im Songtext spricht Cro zu seiner – ihm noch unbekannten – zukünftigen Partnerin, die (wie aus der Zukunft betrachtet) bereits klar als […]

Traum – Cro


„Für jeden Zahn gibt mir Mama fünf Franken.“ – Die einzigen Menschen, die in diesem filmischen Lehrstück zum Thema Vergeltung die primitive Spirale der Gewalt durchbrechen, müssen ziemlich Zähne lassen. Aber am Ende lachen sie, gemeinsam! Das grobkörnige Bild und die quietschigen Farben signalisieren es sofort: Dies ist keine alltägliche Geschichte, sondern eine Parabel über Gewalt, Gegengewalt und Vergeltung, über Ausländerfeindlichkeit und rivalisierende Jugend-Clans. Nicht nur die Farben, sondern auch die Klischees sind voll aufgedreht und zeigen die verschiedenen Akteure überpointiert und plakativ. Die Neonazis flüchten vor der Polizei und verprügeln Ausländer. Die Ausländer („Jugos“ vs. „Bimbos“) prügeln sich untereinander und […]

Zahn um Zahn



„Oh my god, oh my god, oh my god“ – Mit einer gehörigen Portion Unernsthaftigkeit zeigt der Film eine Grenzüberschreitung zur dunklen Seite, in der endlich einmal etwas wirklich Aufregendes geschieht! Mit gebetsmühlenartigem Gemurmel läuft eine Nonne durch das Bild. Vor einer schwarzen Wand bleibt sie stehen. Aus dem Dunkel ertönen schaurige Geräusche, doch ihre Neugierde ist grösser als ihre Angst und sie tritt hinein. Nun wird es interessant: Die Grenzüberschreitung birgt unerwartete, amüsante und auch entsetzliche Erfahrungen. Die immergleiche Äusserung „O my god!“ durchläuft dabei die verschiedensten Bedeutungen.  Für den Unterricht wäre zunächst interessant, die verschiedenen Bedeutungsgehalte des Ausdrucks „O […]

Lapsus


„Five children, five religions, (almost) five minutes“ – Ein Film zu fünf Religionen der Welt aus der Perspektive von fünf Kindern Anziehen, essen, sich schmücken, gehen, eintreten, feiern, beten: Diese elementaren Handlungen sind bei allen fünf Kindern gleich und doch ganz anders. Sivanya aus Indien, Lonke aus Südafrika, Daigo aus Japan, Yaseen und Eli aus den USA. Fernab von religionskundlichen Stereotypen zeigt der Film in eher alltäglichen Bildern einen Tag von fünf Kindern dieser Welt, an dem Rituelles und Spirituelles im Zentrum steht. Da der Film vor allem die Gemeinsamkeiten innerhalb der Lebensvollzüge von fünf so […]

Five



Wie feiern die Stabpuppen Abschied von ihrem Puppenspieler? Sie gewähren dem Puppenspieler eine „Overtime“, eine festliche Extrazeit als Stabpuppe. – „an animation in which the animated animate the inanimate animator“ Der alte Puppenspieler ist gestorben. Die Stabpuppen bahren ihn auf und versammeln sich. Aber dann gibt es noch ein Fest des Abschieds: ausgelassene Musik, Beisammensein in der Stube vor dem Kamin, Betrachten des Fotoalbums, vergnüglicher Filmabend, Küchenparty und ein richtiges Festessen. Und als die Puppen den Puppenspieler schliesslich zu seinem letzten Lager begleiten, ist das wie ein gemeinsamer Tanz. Für den Unterricht ist der Film interessant, weil er nicht nur das Thema Tod […]

Overtime


„Kuh Frieda vermisst gemeldet“ – „Terror-Türme“ – „Islamisierung im Vormarsch“: So dramatisch entwickeln sich die Schlagzeilen des RegioJournals von Tag zu Tag, bis dann ausgerechnet am 1. August alles ein bisschen zu viel wird. Zwei Tage vor dem Bundesfeiertag ist die Welt noch in Ordnung: Ländlermusik erklingt aus dem Radio, das Toastbrot wird zum Schweizerkreuz zurechtgeschnitten, es folgen gymnastische Übungen im Trainer und selbst die Dramatik der Zeitungsmeldungen ist eher beruhigend. Doch die Islamisierung des Abendlandes dringt nun bis in die Nachbarswohnung und die Wohnungstür wird deshalb unverzüglich verriegelt. Am ersten August spriessen überall Minarette, aus der Kuckucksuhr ruft der Muezzin, der Toast nun […]

Heimatland



„Hi, I’m Bob!” – Nach einer herben Enttäuschung wartet der Nachspann mit einer ziemlichen Überraschung auf; und dies nicht etwa, weil der Hamster sprechen kann. Ein Hamster ist draussen unterwegs, als ihm von ferne ein lächelnder anderer Hamster zuwinkt. Also nimmt der Hamster die Verfolgung auf, um die Gefährtin aus der Nähe zu betrachten. Doch es ist nicht so einfach, den Hamster dort vorne einzuholen, und so geht die Jagd länger und weiter als erwartet. Vorbei an Pisa, Venedig, Athen, bis nach Japan, Amerika, China geht es immer schneller, bis der Hamster schliesslich erschöpft aus seinem […]

Bob


„Schieb dir die Schuld in die Schuhe oder schüttel sie ab!“ – Witzig, unterhaltsam, ironisch, diffus, hintersinnig: Was sie sagen wollen, wissen sie möglicherweise selbst nicht so genau, aber das macht nichts, denn mit den Themen Schuld und Verantwortung sowie den Bildern einer wilden Konsumparty gibt es genug Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Der Songtext ist recht gut verständlich und ansonsten auch leicht im Internet auffindbar. Die filmische Umsetzung zum Musikvideo ist äusserst gelungen. Der Text aus dem Jahr 2010 wird kombiniert mit der Bilderwelt einer wilden 60ies-Party, die noch die naiv-unschuldige Luft von Zukunftseuphorie, Fortschrittsglauben und aufkommender Konsumgesellschaft atmet, […]

Gebt uns ruhig die Schuld – Die Fantastischen ...



„Die besten Christen sind Atheisten“ – Ein bunter Bilderrausch voller Bildzitate zu einem Text, der es in sich hat. Ein grandioses Musikvideo zum Thema Religionskritik und Atheismus, das harte Kritik äussert und ernsthafte Anfragen stellt. Der äusserst dichte berndeutsche Raptext rechnet mit christlichen Glaubensinhalten ab und beschränkt sich dabei nicht auf die Kritik an Verkirchlichung, Kirchlichkeit und kirchlichen Machtansprüchen, sondern wendet sich auch inhaltlich gegen Glauben und Religion überhaupt. Der Text bezieht damit eine explizit atheistische Position, knüpft aber interessanterweise an der Figur des historischen Jesus an, um Werte und ethische Maximen wie Gleichheit, Menschenwürde, Gemeinschaft und Nächstenliebe […]

La Ga La Si – Tommy Vercetti


„Mach doch mal das Scheiss-Ding aus!“ – Eine Fabel über die zwischenmenschliche Kommunikation als animiertes Reality-TV aus dem WG-Container. Nashorn, Nilpferd und Antilope werfen das Krokodil aus der Wohngemeinschaft. Doch die zwischen-tier-liche Kommunikation ist nicht so einfach: Alles Bemühen um eine einigermassen anständige Begründung lässt jedoch nur umso deutlicher zu Tage treten, wie undurchdringlich-unaussprechbar die Konfliktlage ist. > Das sehr heterogene Figureninventar des Films ist durch vier verschiedene (wilde) Tiere umgesetzt, die ein entsprechend verschiedenes Kommunikations- und Konfliktverhalten zeigen. Wie sind die einzelnen (Tier-) Figuren zu charakterisieren? Welche wahren Motivationen stehen hinter ihren vorgebrachten Äusserungen? Zahlreiche Gestaltungselemente des Films spielen auf das Genre Reality-TV […]

Kein Platz für Gerold



Die sprichwörtliche „Nuit Blanche“ findet nur in der Phantasie statt. Oder sehr real als eine je einsame schlaflose Nacht zweier Menschen, die darüber nachsinnen über eine zurückliegende Entscheidung: „Was wäre gewesen, wenn …?“ Feierabend. Ein Mann steht auf der Strasse und blickt zum Fenster einer Bar auf der Strassenseite gegenüber. Im Innern der Bar sitzt eine Frau bei einem Glas Rotwein. Durch das Fenster und über die Strasse hinweg schauen die beiden sich an. – Und dann gehen sie los, alle beide: entschlossen, unbeirrbar, unaufhaltbar, aufeinander zu. Sie lassen alles hinter sich, nichts kann sie aufhalten, nichts kann sie voneinander abbringen […]

Nuit Blanche


„Halleluja, halleluja, halleluja!“ – Die grosse Schlange frisst den Menschen, das war sehr gut und der Chor der Tiere singt einträchtig das jubelnde Lob der Schöpfung Gottes. Zur Musik von Joseph Haydns Schöpfung zeichnet der Film sehr spielerisch und humorvoll die Schöpfungserzählung aus dem 1. Buch Mose als kreativen Animationsakt nach. Mit bildsprachlichen Anklängen an Hitchcocks „Psycho“ wird die Kreation des Menschen als einschneidende Bedrohung dargestellt, doch am Ende kommt alles wieder gut – wenn auch anders als in der Bibel. Da der Film die Kenntnis der ersten biblischen Schöpfungserzählung aus dem 1. Buch Mose (Genesis 1,1–2,4) voraussetzt, wäre es […]

Die Schöpfung



Der Kurzfilm-Klassiker von Bruno Bozzetto zum Thema Lebensgestaltung: Ein Leben in Schachteln und der Traum von einem Garten. Bereits der Vorspann gibt einen Einblick in die Thematik des Films und liefert den Filmtitel gleich viersprachig. Von der Geburt bis zum Tod spielt sich das Leben in grauen Kästen ab, die Zeit rennt mehr und mehr. Der kindliche Traum von der Freude und Ruhe in einem farbenbunten verschlungenen Garten scheint nur in wenigen Momenten des Lebens als real auf und bleibt eine letztlich ungelebte Sehnsucht. Nur der Tod führt durch die letzte Schachtel schliesslich in den Garten am Ende. Im Unterricht könnte der Film […]

Una vita in scatola