Nuit Blanche


Die sprichwörtliche „Nuit Blanche“ findet nur in der Phantasie statt. Oder sehr real als eine je einsame schlaflose Nacht zweier Menschen, die darüber nachsinnen über eine zurückliegende Entscheidung: „Was wäre gewesen, wenn …?“

Feierabend. Ein Mann steht auf der Strasse und blickt zum Fenster einer Bar auf der Strassenseite gegenüber. Im Innern der Bar sitzt eine Frau bei einem Glas Rotwein. Durch das Fenster und über die Strasse hinweg schauen die beiden sich an. – Und dann gehen sie los, alle beide: entschlossen, unbeirrbar, unaufhaltbar, aufeinander zu. Sie lassen alles hinter sich, nichts kann sie aufhalten, nichts kann sie voneinander abbringen – nur die Realität und eine zurückliegende und nicht wirklich getroffene Entscheidung.


Die filmisch eindrucksvoll in Szene gesetzte Kraft der Phantasie, welche die Auflösung aller Begrenzungen und die Eröffnung aller Möglichkeiten vermag, könnte das Unterrichtsgespräch einerseits auf die bisweilen schmerzvollen Grenzen der Realität lenken. Andererseits kann der Film dazu ermuntern, selbst Geschichten zu erzählen oder zu erfinden, in denen Erträumtes wahr und Unmögliches ganz einfach wird.

Mit einem Fokus auf den alles entscheidenden Augenblick, in dem eine Entscheidung getroffen wird – oder eben ausbleibt –, können Wendepunkte des Lebens in den Blick geraten. Im Unterricht können Geschichten phantasiert werden, in denen eine Entscheidung im entscheidenden Augenblick genau diese Kraft freisetzt, die Erträumtes wahr und Unerreichbares zugänglich macht.

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