Gattung: Real


„Une équation qui ne tourne pas rond“ – Das Musikvideo ermöglicht einen guten Zugang zur unterrichtlichen Auseinandersetzung mit dem vermeintlich schweizerischen Premium-Produkt Schokolade und den Produktionsbedingungen und Handelsbeziehungen des Schokoladen-Rohstoffs Kakao. Wie von Geisterhand spielt das Klavier – weisse Tasten und schwarze Tasten ganz aus Schokolade. Das ist lustig und irgendwie auch ekelig. Ebenfalls der einsetzende Kontrabass ist aus Schokolade, dahingestreckt am Boden. Alles aus Schokolade, sonst nur grauer Karton. Vers eins, ein schokoladenverschmiertes Gesicht rappt französisch durch das Loch in der Kartonwand. Kein Gangsta-Rap, keine Umgangssprache, sondern sorgfältig formulierte Sprache, gestaltete Verse, geistreich, hintersinnig und […]

Petit Carré – Jonas


„… da war es nur noch eins!“ (wie im unsäglich-unsingbaren Kinderlied) – Mit einem Mix aus Animation und Realfilm konfrontiert Fabio Friedli abstrakte Vorstellungen von Flucht und Asyl mit der Wirklichkeit von flüchtenden Menschen: Ein Plädoyer für Humanität. Animation: Kugelschreiber auf Zeichenpapier, wie eine Karikatur hingekritzelt, stark reduziert und etwas salopp. Durch die Wüste fährt ein Lastwagen, darauf Gepäck und zahllose Strichmännchen, absurd getürmt bis an den Himmel. Es ist geradezu unterhaltsam, wie die Figuren durch verschiedene Umstände und Ereignisse nach und nach dezimiert werden, amüsant, wie sie in der Achterbahn schreien, sich an der Sonne versengen […]

Bon Voyage



#metoo – Mit einer grossartig besetzten Hauptfigur und seiner wirkungsvoll bedrängenden Kameraführung zeichnet der Film ein bedrückendes Bild von der subtilen Alltäglichkeit und Allgegenwart sexueller Belästigung, ja Gewalt gegen Frauen. Es beginnt mit dem Ton, wir sind unter Wasser, ein Hallenbad. Jemand springt hinein; eine Frau, schwarzer Badeanzug, rote Kappe, Schwimmbrille. Die Kamera und damit auch wir als Zuschauerinnen und Zuschauer kommen ihr bedrängend nah, viel zu nah, fast körperlich. Schonungslos tastet die Kamera den Körper der Frau ab, wie sie sich durch das Wasser bewegt: Hände, Schultern, Achseln, Gesicht, Brüste, Po, Beine, Füsse. – Dann unter […]

Laps


„Eine moderne Jeanne D’Arc“ – Das Mädchen von nebenan erscheint als Heldin in silberglänzender Rüstung, wenn sie den arg betrunkenen jungen Mann aus dem feindlichen Umfeld einer ausser Kontrolle geratenen Party rettet. Das temporeiche Musikvideo gewinnt seine Kraft vor allem durch seine überraschenden Geschlechterbilder. Der Jüngling, der da im Halbdunkel einer wilden Party auf einem Billardtisch steht, ist nicht mehr ganz so gut dran. Gemeinsam mit der scheppernden und immer langsamer laufenden Tonspur setzt auch er schliesslich aus und bricht krachend auf die Tischfläche. – Meanwhile outside (schöne Ton-Bild-Montage): Eine junge Frau tritt heftig und entschlossen gegen den […]

Up All Night – Beck



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„impasse [ɛ̃’pa:s] f – Sackgasse f; Abstellgleis n; fig. Klemme f.“ – Mit den Qualitäten eines Stummfilms lotet dieser Kurzfilm das Spannungsfeld von Liebe und Rassismus aus. Die Begegnung zwischen zwei Menschen beginnt verheissungsvoll und endet doch rätselhaft in einer Sackgasse. Erst am Ende wird deutlich, welche Klemme auf das Abstellgleis geführt hat. Ein junger Mann sitzt in der U-Bahn und schaut aus dem Fenster, sein Blick ist eher gegen innen gewandt. Jemand legt sein Gepäck auf den freien Platz gegenüber. Eine Frau, etwa gleichaltrig, dunkelhäutig, in einem glänzenden blauen Oberteil, das ihre weibliche Figur betont. Der Mann schaut interessiert, offenbar bemüht, nicht […]

Impasse


„Die haben es doch alle gesehen.“ – Der Kurzfilmklassiker von Pepe Danquart nervt zunächst ganz gehörig und regt schliesslich an zum befreienden Lachen sowie – ganz ohne moralisierenden Unterton – auch zum Nachdenken über Zivilcourage. Der Film feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum und funktioniert noch immer. Der Film sah schon immer älter aus als er ist: In einem fast zeitlosen und etwas unscharfen schwarz-weiss-Bild fährt eine S-Bahn in den Bahnhof ein – Berlin, im Hintergrund der Fernsehturm. Im Vordergrund versucht ein Mann erfolglos, sein Motorrad zu starten. An der Tramhaltestelle ein Querschnitt der Berliner […]

Schwarzfahrer



„MANTRA chronicles the dangerous obstacles refugees FACE on their journeys to reach safer harbors.“ – Das so irritierende wie aufwühlende Musikvideo verknüpft den kraftvollen Track von Noisia mit ziemlich realistischen Bildern von Flucht, Migration und der europäischen Asylpraxis. Ein nicht vollendeter und unfertig heruntergekommener Neubau: In der kreisrunden Auffahrt zum Parkhaus liegt ein verdreckter und verknitterter Union Jack. Der Wind erfasst und trägt ihn mit sich in die Höhe. Im Innern des Gebäudes überall Bauschutt, aufgerissene Wände, herunterhängende Kabel und: kauernde Menschen, versteckt, wartend, lauernd – auch die Musik. Gemeinsam mit der sich langsam und machtvoll entwickelnden Dynamik des Noisia-Tracks kommen […]

Mantra – Noisia


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„Nein, er lebt da unten.“ – Das kleine Mädchen hat eigentlich gar nicht um Belehrung gebeten, aber die gibt es mancherorts trotzdem – hoffentlich nicht im Unterricht. Der Film regt an zum Austausch über Strategien zur Bewältigung von Sterben, Tod und Trauer – und nebenbei auch zur Befragung des eigenen Unterrichtsanlage. Ein Mädchen spielt Fussball, auf dem Friedhof: Es kickt den Ball gegen einen Grabstein und ist ganz versunken in sein Spiel. Kopfschüttelnd tritt ein Mann dazu und fragt: Was denkst du, was du da machst? Für das Mädchen ist das eine offensichtlich dumme Frage, aber es […]

Under There